Lamellenwand aus Holz im Wohnzimmer: Akzentwand bauen ohne Profiwerkstatt (Maße, Material, Kosten)

Februar 10, 2026 administrator Comments Off

Warum eine Lamellenwand im Wohnzimmer sinnvoll ist (und wann nicht)

Eine Lamellenwand bringt Struktur, verdeckt kleine Wandmacken und kann die Akustik spürbar verbessern. In deutschen Wohnungen mit viel Hall (Parkett, große Fensterflächen, wenig Textil) ist das oft der schnellste Hebel, ohne den Raum vollzustellen.

Sinnvoll ist sie besonders hinter dem TV, hinter dem Sofa oder als Kopfwand einer Sitzbank. Weniger sinnvoll ist sie an sehr unebenen Altbauwänden, wenn du keine Unterkonstruktion setzen willst, oder in Räumen mit dauerhaft hoher Feuchte (z.B. direkt an der Dusche).

Planungsgrundsatz: Entscheide zuerst, ob die Lamellenwand nur Deko ist oder zusätzlich Kabel, Steckdosen und Akustik integrieren soll. Davon hängen Tiefe, Unterkonstruktion und Aufwand ab.

Variante Aufbau Typischer Einsatz
Direkt auf Wand Lamellen auf Filz oder Trägerplatte Glatt verputzte Wand, kleine Fläche, wenig Tiefe
Mit Lattung Unterkonstruktion + Lamellen Schiefe Wand ausgleichen, Kabel führen, besserer Schallschutz
Modulplatten Fertige Akustikpaneele Schnell, sauber, kalkulierbar (weniger flexibel)
Modernes Wohnzimmer mit Eiche-Lamellenwand hinter TV und warmweißer Wand, klare Schattenfugen
Eiche-Lamellen als ruhige TV-Akzentwand mit sauberem Raster.

Material und Systeme: Holzleisten, Akustikpaneele, Trägerplatten

Im Handel findest du grob drei Wege: einzelne Holzleisten (maximal flexibel), Akustikpaneele auf Filz (schnell und akustisch gut) oder eine DIY-Lösung mit eigener Trägerplatte (preislich interessant, braucht aber Präzision).

Option A: Einzelne Holzleisten (DIY pur)

Du kaufst Leisten (z.B. 18 x 38 mm oder 20 x 40 mm) und setzt sie mit Abstand auf eine Unterkonstruktion oder direkt auf eine Trägerplatte.

  • Vorteil: Abstände, Holzart, Breite frei wählbar. Ideal für Steckdosen-Ausschnitte und Sondermaße.
  • Nachteil: Mehr Zuschnitt, mehr Ausrichten. Ohne Anschlaghilfe entstehen schnell krumme Fugen.

Praxis-Tipp: Für gleichmäßige Fugen nutze Abstandsklötze (z.B. 10 mm) und arbeite Reihe für Reihe. Nicht „nach Augenmaß“.

Option B: Akustikpaneele (Lamellen auf Filz)

Akustikpaneele bestehen meist aus MDF-Lamellen mit Furnier auf schwarzem/anthrazitfarbenem Filz. Gängig sind Platten um 2400 x 600 mm, Stärke etwa 20-25 mm.

  • Vorteil: Sehr schnelle Montage, guter akustischer Effekt, sauberer Look.
  • Nachteil: Begrenzte Optiken, Kantenabschlüsse müssen geplant werden, Steckdosen brauchen saubere Ausschnitte.

Realistische Kosten: Je nach Qualität oft ca. 60-130 EUR pro m2. Dazu Kleber/Schrauben und ggf. Abschlussleisten.

Option C: Trägerplatte (MDF/Multiplex) + Leisten

Du baust ein „Panel“, das du später als Ganzes montierst. Das ist gut, wenn du in einer Mietwohnung möglichst wenig in die Wand bohren willst (z.B. wenige, gezielte Dübel) oder wenn du Kabel und Netzteile verstecken möchtest.

  • MDF: günstig, sehr glatt, aber schwer und empfindlich an Kanten.
  • Multiplex: stabil, schraubfest, teurer, dafür robust.

Praxissituation: Hinter dem TV ist Multiplex oft stressfreier, weil du Halterungen und Kabelclips besser verschrauben kannst.

Maße, Proportionen und Abstände: So wirkt es hochwertig statt „Zaun“

Die Optik steht und fällt mit Proportion und Raster. Viele Lamellenwände wirken billig, weil die Abstände zu groß sind, oder weil die Wand nicht sauber „eingefasst“ wurde (oben/unten, links/rechts).

Bewährte Maße für Wohnräume (deutsche Realitäten)

  • Lamellenbreite: 27-40 mm (schmal wirkt ruhiger, breit wirkt grafischer).
  • Fugenabstand: 10-15 mm als Allrounder. Unter 8 mm wird staubanfälliger und verzeiht weniger.
  • Tiefe: 18-40 mm. Mehr Tiefe bringt stärkere Schatten, kann aber bei kleinen Räumen wuchtig wirken.
  • Randabschluss: Plane links und rechts je 20-40 mm „Luft“ oder einen Rahmen. Keine halb abgeschnittene Lamelle am Rand.

Höhe und Position: drei sichere Setups

  • TV-Wand: Lamellenfläche 10-20 cm breiter als TV-Möbel, oben bis ca. 10-20 cm unter die Decke oder bewusst nur bis 120-160 cm hoch (Sideboard-Höhe plus optischer Aufsatz).
  • Hinter dem Sofa: Lamellenfläche 20-40 cm über Sofarücken starten, Gesamtfläche zentriert zur Sitzgruppe.
  • Akzentstreifen: 60-90 cm breiter vertikaler Streifen (z.B. neben einem Regal) für kleine Wohnzimmer oder wenn du nur „Struktur“ willst.

Rechenhilfe: Lamellenanzahl schnell planen

Beispiel: Wandbreite 2000 mm. Lamelle 30 mm, Fuge 10 mm. Raster = 40 mm. 2000 / 40 = 50 Raster. Du endest mit 50 Lamellen und 49 Fugen (je nach Randlösung). Plane bewusst einen Rahmen oder Randabstand ein, dann musst du am Ende nicht „quetschen“.

Unterkonstruktion und Montage: gerade, stabil, reparierbar

Wenn die Wand nicht perfekt ist oder du Kabel verstecken willst, ist eine Lattung die beste Basis. Sie macht die Fläche gerade und reduziert Stress beim Ausrichten.

Unterkonstruktion in 6 Schritten

  • 1. Fläche anzeichnen: Mit Laser oder Wasserwaage Außenkanten markieren.
  • 2. Lattung setzen: Horizontal oder vertikal, je nachdem wie du die Lamellen befestigst. Üblich: horizontale Latten im Abstand 40-60 cm.
  • 3. Unebenheiten ausgleichen: Mit Unterlegplättchen/Keilen an den Schraubpunkten ausrichten, bis alles in einer Ebene ist.
  • 4. Kabelweg planen: Leerrohr oder Kabelkanal hinter der Lattung, besonders für TV/LED.
  • 5. Lamellen montieren: Mit Montagekleber plus punktuell Nägel/Schrauben oder nur schrauben (reparierbarer).
  • 6. Kanten sauber lösen: Abschlussleisten, Schattenfuge oder seitlicher Rahmen verhindert „Baustellen-Look“.

Kleben oder schrauben?

  • Kleben: schnell, keine sichtbaren Schrauben. Aber: Korrekturen sind schwierig und Tapete kann beim Rückbau leiden.
  • Schrauben (verdeckt): besser für Mietwohnungen und wenn du einzelne Lamellen tauschen willst. Schrauben z.B. von der Seite in die Lattung oder durch die Trägerplatte.

Praxis-Tipp Mietwohnung: Baue ein großes Panel auf Trägerplatte und befestige es mit wenigen, starken Dübeln an tragfähigen Punkten. So reduzierst du Bohrlöcher und kannst beim Auszug einfacher zurückbauen.

Akustik-Plus ohne Studio-Optik: so funktioniert es wirklich

Lamellen allein schlucken kaum Schall. Der akustische Gewinn entsteht, wenn hinter den Lamellen absorbierendes Material sitzt, typischerweise Filz oder Mineralwolle, und ein Luftspalt vorhanden ist.

3 praxistaugliche Akustik-Setups

  • Fertiges Akustikpaneel: Lamellen + Filz, direkt an die Wand oder auf Lattung. Schnellster Weg, spürbar weniger Flatterecho.
  • DIY mit Akustikfilz: Schwarzer Filz auf Trägerplatte, Lamellen drauf. Gut für Wohnzimmer, wenn du keine Wolle verarbeiten willst.
  • Lattung + Mineralwolle (z.B. 40-60 mm): höchste Wirkung, besonders bei großen, halligen Räumen. Sauber verkleiden, Fasern nicht offen lassen.

Wichtig: Mineralwolle im Wohnraum nur mit geschlossener Abdeckung einsetzen (z.B. Akustikvlies/Filz) und sauberem Abschluss, damit nichts ausfasert.

Detail einer Holz-Lamellenwand mit schwarzem Filzrücken und gleichmäßigen Fugen, Nahaufnahme der Kante
Detail: Filzrücken und gleichmäßige Fugen verbessern Optik und Akustik.

Oberfläche, Farbe und Pflege: damit es nicht nach zwei Monaten „müde“ aussieht

Holzlamellen sind Staubfänger, wenn die Fugen zu eng sind oder wenn die Oberfläche rau bleibt. Plane die Pflege gleich mit.

Oberflächen, die sich bewährt haben

  • Furnier/Akustikpaneel: pflegeleicht, optisch ruhig. Vorsicht bei scharfen Kanten, nicht mit zu nassem Tuch.
  • Lackiert (matt): sehr sauberer Look, gut zu reinigen. Im Alltag im Wohnzimmer meist unkompliziert.
  • Geölt: warm, natürlich, aber empfindlicher gegen Flecken. Gute Wahl, wenn du bewusst „Holz“ sehen und fühlen willst.

Farb- und Materialkombinationen, die im Wohnzimmer funktionieren

  • Eiche natur + warmes Weiß: wirkt wohnlich, passt zu vielen Böden.
  • Nussbaum-Optik + Greige: erwachsener, ruhiger, gut mit Messing-Details.
  • Schwarz (Lamellen oder Filz) + helle Wand: grafisch, modern, aber nur bei genug Tageslicht.

Praxis-Tipp: Wenn der Raum klein ist, nimm hellere Lamellen und reduziere die Fläche. Eine komplette Wand in dunkler Optik macht 14-18 m2 schnell deutlich enger.

Typische Fehler (und wie du sie vermeidest)

  • Unsaubere Startkante: Erste Lamelle bestimmt alles. Starte mit Laserlinie und fixiere sie extra sorgfältig.
  • Keine Dehnfuge: Holz arbeitet. Lass oben/unten und seitlich ein paar Millimeter Luft (später mit Leiste/Schattenfuge lösen).
  • Steckdosen „vergessen“: Plane Ausschnitte und ggf. eine Vorwanddose. Abdeckungen müssen später bündig sitzen.
  • Zu wenig Befestigung: Nur kleben auf staubiger Wand hält nicht. Wand gründlich reinigen, ggf. grundieren.
  • Abstände wechseln: Einmalige Abstandsklötze benutzen, nicht nachmessen und „korrigieren“.

Kosten realistisch kalkulieren (Material, Werkzeug, Zeit)

Für ein typisches Wohnzimmerprojekt von ca. 2,0 x 2,4 m (4,8 m2) sind diese Spannen realistisch:

  • Fertige Akustikpaneele: ca. 300-650 EUR Material (je nach m2-Preis), plus Kleber/Schrauben.
  • DIY Leisten + Filz/Träger: ca. 200-500 EUR, abhängig von Holzart und Oberflächenfinish.
  • Unterkonstruktion: zusätzlich ca. 30-80 EUR (Latten, Dübel, Schrauben, Keile).

Zeit: Plane bei DIY-Leisten 1-2 volle Tage inklusive Zuschnitt und Ausrichten. Mit Fertigpaneelen oft in 3-6 Stunden machbar, wenn die Wand gerade ist.

Podsumowanie

  • Entscheide zuerst: reine Optik oder auch Kabel/ Akustik - danach wählst du System und Tiefe.
  • Plane ein fixes Raster: Lamellenbreite + Fugenmaß, mit Abstandsklötzen arbeiten.
  • Bei schiefen Wänden: Unterkonstruktion spart Zeit und liefert das gerade Ergebnis.
  • Akustik wirkt erst mit Filz/Absorber plus Luftspalt - Lamellen allein sind mostly Deko.
  • Ränder sauber lösen (Rahmen, Abschlussleiste oder Schattenfuge) - das macht den Unterschied.

FAQ

Kann ich eine Lamellenwand auf Tapete kleben?

Technisch möglich, aber riskant. Tapete ist oft die Sollbruchstelle. Besser: Trägerplatte montieren (wenige Dübel) oder Tapete im Bereich entfernen und den Untergrund grundieren.

Welche Lamellenabstände wirken am ruhigsten?

Meist 10-12 mm Fuge bei 27-30 mm Lamelle. Große Fugen (20 mm+) wirken schnell unruhig und „gitterartig“.

Wie löse ich Steckdosen in der Lamellenwand sauber?

Am saubersten mit einer Vorwand-Lösung: Unterkonstruktion so planen, dass die Dose nach vorn gesetzt werden kann. Ausschnitt in Trägerplatte/Filz exakt sägen, Abdeckung bündig montieren.

Hilft eine Lamellenwand wirklich gegen Hall im Wohnzimmer?

Ja, wenn ein absorbierender Rücken (Filz oder Mineralwolle) vorhanden ist und idealerweise ein kleiner Luftspalt dahinter. Reine Holzleisten direkt auf Wand bringen kaum messbaren Effekt.